Freitag, 23. Dezember 2016

[3x3] Ein Short-Short, ein Klassiker und eine Rede

Autorin: Colleen Hoover
Seiten: 139
Verlag: dtv digital
ISBN: 978-3-423-42996-2

Worum geht's?

Colleen Hoovers neue heiße Achterbahnfahrt der Gefühle
Ein Mädchen als Mitbewohnerin in der WG? Nichts lieber als das, denkt Warren. Vor allem, wenn besagte Mitbewohnerin so überaus attraktiv und sexy ist wie Bridgette.
Doch Warren gegenüber verhält sich Bridgette kaltschnäuzig und abweisend. Offensichtlich hasst sie ihn aufs Blut … oder doch nicht? Was, wenn die Leidenschaft, mit der sie ihn verabscheut, eine ganz andere Leidenschaft verbirgt? Genau die plant Warren aus ihr herauszukitzeln. Ein gefährliches Spiel beginnt, bei dem Warren Gefahr läuft, sein Herz zu verlieren …

Quelle

Wer ist die Autorin?

Colleen Hoover stand mit ihrem Debüt ›Weil ich Layken liebe‹, das sie zunächst als eBook veröffentlichte, sofort auf der Bestsellerliste der ›New York Times‹. Mittlerweile hat sie auch in Deutschland die SPIEGEL-Bestsellerliste erobert. Mit ihren zahlreichen Romanen, die alle zu internationalen Megasellern wurden, verfügt Colleen Hoover weltweit über eine riesengroße Fangemeinde. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Söhnen in Texas.

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Wie fand ich es?

Vielleicht hatte ich einfach zu hohe Erwartungen - denn dieses eShort habe ich aufgrund der Tatsache gekauft, dass ich die beiden Figuren in ihren Nebenrollen in "Maybe someday" sehr ansprechend und interessant fand, und gern mehr über sie erfahren wollte. Genau das gibt diese kurze Geschichte auch, doch irgendwie... fehlte mir etwas.

Die Charaktere selbst waren weiterhin sympathisch, und es war spaßig ihre ersten Kabbeleien und ihre Annäherung mitzubekommen. Von Anfang an gab es eine Chemie zwischen den beiden, die sich zunächst hielt, doch dann durch meiner Ansicht nach zu viele Sexszenen ein wenig... in den Hintergrund rückte. Ich meine, versteht mich nicht falsch, diese Szenen waren in sich durchaus gelungen und gut geschrieben, doch im Gesamtzusammenhang der Geschichte so fehl am Platz.

Denn auch wenn es abseits ihrer körperlichen Anziehung durchaus Gefühle gab, schienen sie mir schnell nebensächlich neben der nächsten Situation in der sich die beiden die Kleider vom Leib reißen wollte. Die Figuren bekamen abgesehen davon wenig Gelegenheit ihre Beziehung weiter auszubauen, sich wirklich und in allen Facetten kennen zu lernen. Beziehungsweise wenn das einmal der Fall ist, wird es zu kurz und oberflächlich abgehandelt. Ich kaufte den beiden ihre Beziehung deshalb leider in der zweiten Hälfte nicht mehr ab, auch wenn sich diese Entwicklung gegen Ende wieder besserte, für mich war das einfach zu spät als das der Funken wieder übergesprungen wäre.

Auch abseits voneinander fand wenig Entwicklung statt, doch als positiv ist hier definitiv Bridgettes Hintergrund zu erwähnen. Die Geschichte darum und wie sie sich Ridge langsam öffnet, empfand ich als authentisch geschildert und sie machte auch ihr Verhalten verständlich, was ihre weitere - leider viel zu kurze - Geschichte für mich sehr interessant hätte machen können, da ihre Entwicklung hin zu "alles ist ganz okay" mir ein wenig schnell ging. Warren blieb das ganze Buch hindurch ein sympathischer, einfach nachzuvollziehender und liebenswerter Charakter, der jedoch mit Fortschreiten der Handlung ein wenig... eindimensional wurde. Er überraschte zumindest mich einfach nicht genug, weshalb ich ein wenig das Interesse am Verlauf seiner Geschichte verlor.

Kurzum - eine solide kleine Geschichte, aber leider nur Durchschnitt. Völlig überzeugt werden konnte ich nicht, auch wenn der Anfang vielversprechend war. Dennoch gibt es einige schöne Momente zwischen Warren und Bridgette und man erfährt ein wenig von ihrem Part während "Maybe someday".

 Sterne

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Landnahme von Christoph Hein

Mehr über das Buch und den Autor könnt ihr hier erfahren.

Diese Geschichte habe ich aufgrund meines Deutschkurses gelesen, dadurch auch ausführlich besprochen und von den verschiedensten Seiten beleuchtet. Dennoch habe ich immer noch ein paar Fragezeichen im Kopf was "Landnahme" betrifft, was ich jedoch keineswegs negativ meine - ganz im Gegenteil!

Die unglaubliche Komplexität der Geschichte die so viel Raum für Interpretationen und Diskussionen lässt, zeigt sich am besten in ihrem Protagonisten, Bernhard Haber. Nach dem zweiten Weltkrieg, 1950, mit seiner Familie aus seiner Heimat Breslau vertrieben, wird eine sächsische Kleinstadt ihr neues Zuhause - zumindest in der Theorie. Die Einheimischen begrüßen die Neuankömmlinge alles andere als herzlich - Diskriminierung und Ausgrenzung sind für Bernhard an der Tagesordnung (hier lässt sich gut ein aktueller Bezug ziehen). Deshalb wehrt er sich mit Gewalt und Drohungen, wird immer wieder vom Opfer zum Täter und versagt in seinem Leben dem der Leser über mehrere Jahrzehnte folgt, oftmals an seiner Sturheit und seiner emotionalen Unfähigkeit. Er ist eine tragische Figur, und gerade deshalb so interessant. Ich konnte im Laufe der Handlung mit ihm sympathisieren, trotz seiner vielen Fehler.

Seine Entwicklung bekommt man nur durch fünf Randfiguren mit, an deren Leben er mehr oder wenig stark und für unterschiedlich lange Zeit teilhatte. Dies und auch die Erzählweise innerhalb dieser Kapitel ist besonders - Christoph Hein erzählt des öfteren zeitlich gesehen recht durcheinander. Gerade noch von Ereignissen vier Jahre später berichtend ist man unerwartet wieder in der derzeitigen "Gegenwart" der Geschichte. Dies war teils ein wenig verwirrend und ich brauchte eine ganze Weile mich durch die verschiedenen Handlungsstränge hindurchzuwinden und alles gedanklich in eine Reihenfolge zu bringen. Dies bildet aber so ziemlich den einzigen Kritikpunkt den ich an der Geschichte finden konnte.

Wer sich für die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg interessiert, für den ist dieses Buch sicherlich zu empfehlen. Geschichtliche Hintergründe werden einbezogen, so zum Beispiel die Kollektivierung in der DDR oder der Schmuggel von DDR-Bürgern in die BRD, auch wenn sie nicht das wichtigste sind. Nein, vielmehr wird auf den Alltag der Menschen eingegangen, auf ganz unterschiedliche sehr fehlerbehaftete aber nachvollziehbare Individuen. Nicht nur Bernhard faszinierte, auch die Erzähler seiner Geschichte selbst.

Alles in allem eine interessante, zum Nachdenken anregende Geschichte die mich trotz kleiner Schwächen überzeugt hat und zu den besseren Schullektüren gehört die ich bisher gelesen habe. Besonders die Authentizität der Figuren ist mir positiv aufgefallen!

 Sterne

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Autor: Terry Pratchett
Seiten: 80
Verlag: Manhattan
ISBN: 978-3-442-54781-4

Worum geht's?

»Die meisten Menschen fürchten sich nicht vor dem Tod. Sie fürchten sich vor dem, was davor kommt – dem Messer, dem Schiffsuntergang, der Krankheit, der Bombe. Wenn man Glück hat, gehen diese Schrecken dem Augenblick des Sterbens nur um Nanosekunden voraus. Hat man Pech, können es Jahre sein.« Als man bei Terry Pratchett Alzheimer diagnostizierte, war er in seinen Fünfzigern. Und der Zorn packte ihn. Nicht auf den Tod, sondern auf die Krankheit, die ihn an dessen Tür absetzen würde. Und auf das Leiden, das ihm bevorstand, wenn er seinem Zustand kein Ende bereiten durfte. In dem vorliegenden Aufsatz plädiert er für das Recht, dieses Ende wählen zu dürfen. Denn zu einem guten Leben gehörte für Terry Pratchett, der im März 2015 mit nur 66 Jahren starb, auch das Recht auf einen guten Tod.


Wer ist der Autor?

Terry Pratchett, geboren 1948, fand im Alter von 13 Jahren den ersten Käufer für eine seiner Geschichten. 1983, viele Erzählungen und Bücher später, schrieb der kleine Mann mit dem großen schwarzen Schlapphut dann seinen ersten Scheibenwelt-Roman – ein großer Schritt auf seinem Weg zu einem der erfolgreichsten Autoren Großbritanniens und einem der populärsten Fantasy-Autoren der Welt. [...] Umgeben von den modernsten Computern lebte Terry Pratchett mit seiner Frau Lyn lange Zeit in der englischen Grafschaft Wiltshire. 2007 wurde bei ihm eine besondere Form von Alzheimer diagnostiziert, gegen die der Autor einen erbitterten Kampf führte. Terry Pratchett starb am 12.3.2015 im Alter von 66 Jahren.


Wie fand ich es?

Nicht nur aufgrund der Kürze des Büchleins habe ich es in weniger als einer Stunde gelesen. Nein, die Worte hatten etwas Hypnotisierendes, ich wurde von Seite 1 in die Geschichte dieser Rede und auch den tatsächlichen Vortrag hineingezogen. Auch das mich das Thema sehr interessiert und sehr berührt mag ein Grund sein, aber vor allem schafft es Terry Pratchett einfach mit allem was er schreibt mich mitzureißen. Besonders, wenn es so offensichtlich so persönlich motiviert ist.

Zur Vorrede bleibt mir eigentlich nur eins zu sagen - auch diese hat mich überzeugt und ich denke, sie macht die Rede die folgt noch einmal verständlicher und die Lektüre um einiges intensiver und emotionaler, wenn man die Hintergründe derart deutlich vor Augen geführt bekommt.

Er ist einer meiner Lieblingsautoren und auch meiner Lieblingsmenschen. Denn auch abseits der Seiten war er für mich ein Vorbild und eine Inspiration und es ist schwer zu glauben, dass er bereits über ein Jahr tot ist. Seine Worte leben einfach weiter und seine Meinung steht durch sie auch jetzt noch so, als wäre er noch da um sie auszusprechen. Und trotz seiner gesundheitlichen Probleme und der Schwierigkeiten die er offenbar damit hatte diesen Text und andere zu verfassen... ist "Dem Tod die Hand reichen" wunderbar. 

Die Argumentation ist klar und alles andere als engstirnig. Auch mögliche Gegenargumente sowie Gründe für deren Existenz und mögliche Motivationen werden in Betracht gezogen und Kritiker der geäußerten Ansichten werden keinesfalls einfach niedergemacht oder für dumm/unwissend/Adjektiv-der-Wahl erklärt. Nein, sie werden anerkannt und Missstände und Missverständnisse gleichermaßen offen dargestellt. 

Das Thema Sterbehilfe ist zweifellos komplex und umkämpft, doch Pratchett hat es in meinen Augen geschafft die Notwendigkeit von der Möglichkeit zur Sterbehilfe auf respektlose und unverhüllt persönliche Weise darzulegen. Seine Rede ist dennoch nicht gefühlsduselig sondern gut durchdacht und mit Vorschlägen und Kompromissen durchsetzt. In der Diskussion um die Sterbehilfe (nicht nur in Großbritannien) sollte sein Niedergeschriebenes definitiv Beachtung finden.

Ein empfehlenswerter Text der viele unterschiedlichen Gesichtspunkte miteinbezieht und durch Terry Pratchetts eigene Gedanken und Erfahrungen ergänzt eine Mischung aus sachlicher Besprechung und persönlichem Hintergrund bildet! Wer entweder ein Fan des Autors, des Themas oder von beidem ist!

 Sterne

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