Donnerstag, 29. Dezember 2016

Apple und Rain

AutorIn: Sarah Crossan
Seiten: 320
Verlag: cbt
ISBN: 978-3-570-16400-6

Worum geht's?

Drei Jahre alt war Apple, als ihre Mum sie in einer stürmischen Nacht bei der Großmutter zurückließ. Seitdem hat Apple nichts von ihr gehört. Elf Jahre später taucht Mum plötzlich wieder auf. Mum ist das Gegenteil von Apples strenger, konservativer Nana. Im Glückstaumel zieht Apple bei Nana aus, direkt zu Mum. Womit sie aber nicht gerechnet hat: Sie ist nicht Mums einziges Kind. Dass ihre kleine Halbschwester Rain ebenso wenig von Apple wusste, macht die Sache nicht besser. Und dass Mum Apple als Babysitterin braucht, auch nicht. Apple dämmert, dass sie eine schwierige Wahl getroffen hat. Zum Glück kann sie sich dem Nachbarsjungen Del anvertrauen, der ziemlich gut zuhören kann ...


Wer ist die Autorin?

Sarah Crossan wuchs in Dublin und London auf und schrieb schon als Jugendliche Gedichte und Geschichten und kreierte ihre eigenen Bücher. Sie studierte Philosophie, Literatur und Creative Writing und war in USA als Englischlehrerin tätig. Heute lebt sie als freie Autorin mit ihrer Familie in Hertfordshire, England. Ihre Bücher wurden in England vielfach ausgezeichnet, und für ihren Versroman "Die Sprache des Wassers" wurde sie für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.


Wie fand ich es?

Bisher hatte ich, zugegebener Maßen, noch kein Buch von Sarah Crossan gelesen, auch wenn ich durchaus Interesse daran habe, mal ihre "Breathe"-Dilogie, eine Dystopie, zu beginnen. Doch ich wollte erst einmal abwarten wie mir ihr Erzählstil gefällt, und sie deshalb lieber an einem Einzelband "testen". Deshalb war ich sofort interessiert an "Apple und Rain", und da mich auch die Thematik angesprochen hat, musste ich es einfach lesen. Und was soll ich sagen, es wird definitiv nicht mein letztes Buch von dieser Autorin gewesen sein!

Zuerst hatte ich zugegeben ein bisschen Bammel, das mir das Buch nicht gefallen würde. Die ersten Seiten über sprühten nur so vor Naivität der Protagonistin (in Maßen okay, aber für mich doch eher nervig als ein schönes Leseerlebnis), mit der ich mich erst einmal anfreunden musste. Doch nach einer Weile war es genau diese junge, unerfahrene Frische die a) altersgemäß, b) gut geschrieben wurde ohne sie ins Lächerliche zu ziehen und c) die Geschichte darum authentisch und ungewöhnlich machte.

Apple war also bei genauerer Betrachtung eine wirklich realistische, und auf ihre Weise auch liebenswerte Protagonistin. Ihre Kindheit und Jugend war geprägt vom Verlust ihrer Mutter, darum umso logischer das sie nur noch durch rosa Brillengläser sieht, als diese zu ihr zurückkehrt. Damit können sich mit Sicherheit die meisten Leute, auch ich, sehr gut identifizieren, wenn auch nicht mit den Problemen die weiter folgen.

Doch auch wenn Apple viele Fehler macht und sich nicht immer gleich traut zu ihren Wünschen zu stehen aus Angst jemanden zu enttäuschen, so hat sie mindestens genauso viele gute Absichten. Das macht sie sympathisch und nachvollziehbar und nach einer Weile habe ich trotz der anfänglichen Zweifel wirklich gerne von ihr gelesen. Auch alle anderen Charaktere waren oft kompliziert und vertrackt, aber authentisch, beispielsweise besagte Mutter. Schwarz-Weiß-Malerei der Figuren wurde vermieden und es erwarteten einen trotz typischen High School Settings in den Details mehr Überraschungen als Klischees.

Doch nicht nur der Konflikt zwischen (Großmutter,) Mutter und Tochter ist Thema in "Apple und Rain" - die für das Buch namensgebende und auch im Klappentext erwähnte Verbindung zwischen den beiden Halbschwestern ist auch ein wichtiger Teil der Geschichte, der mit sehr viel Sensibilität behandelt wurde. Die Interaktionen dieser beiden haben Spaß gemacht, mein Interesse am Handlungsverlauf wach gehalten und mich nachdenklich gemacht. Dieser Handlungsstrang hat mir mit am besten gefallen - neben und zusammen mit (da die Themen sehr zusammenhängen) der Dramatik von Apples emotionaler Entwicklung, ihrer Probleme in Freundeskreis und Schule und erster Verliebtheit. Klingt alles miteinander zunächst recht klischeehaft und oft behandelt, doch die Autorin schaffte es das Ganze neu aufzurollen, anders und persönlich zu erzählen, sodass man trotz bekannter Muster berührt und mitgerissen wurde.

Wichtig sind in diesem Buch mehr die Konflikte auf emotionaler Ebene, was durch den sehr von den Gedanken und Gefühlen der Protagonistin getragenen Schreibstil deutlich wird. Doch an keiner Stelle tröpfelte die Handlung vor sich hin und man fiebert vor allem gegen Ende sehr mit Rain mit. 

Ein besonderes Jugendbuch voller Emotionen und Konflikte, interessanter Charaktere und Emotionen. Das "typische" Gefühl eines Romans über das innere Wachsen eines Mädchens das es in jungen Jahren schon nicht einfach hat, das Lebenszielfinden und die Suche nach sich selbst bleibt erhalten, wobei Sarah Crossan auf große Klischees verzichtet - eine empfehlenswerte Geschichte!

 Sterne

Vielen Dank für dieses Rezensionsexemplar an den cbt Verlag und das Bloggerportal Randomhouse!

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