Samstag, 5. September 2015

[Hörbuch] Die Analphabetin die rechnen konnte

Autor des Buchs: Jonas Jonasson
Sprecherin: Katharina Thalbach
Länge: 6 CDs/ 476 Minuten
Verlag: der Hörverlag
ISBN: 978-3-8445-1775-0

Worum geht's?

Mit fünf fing sie an zu arbeiten, mit zehn wurde sie Waise, mit fünfzehn wäre sie fast gestorben. Im Grunde deutet alles darauf hin, dass sie ihr Dasein in ihrer Hütte im größten Slum Südafrikas fristen würde. Wenn sie nicht die gewesen wäre, die sie war, aber die war sie eben. Nombeko Mayeki war die Analphabetin, die rechnen konnte. Das Schicksal führt sie in die internationale Politik, auf die andere Seite des Erdballs. Auf ihrer Reise gelingt es ihr, dem meistgefürchteten Geheimdienst der Welt auf der Nase herumzutanzen, bis sie sich eines Tages eingesperrt im Laderaum eines Lieferwagens wiederfindet. Und in diesem Moment schwebt die ganze Welt, wie wir sie kennen, in höchster Gefahr.

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Wer ist der Autor?

Jonas Jonasson, geboren 1961 im schwedischen Växjö, arbeitete nach seinem Studium in Göteborg als Journalist unter anderem für die Zeitungen „Smålandsposten“ und „Expressen“. Später gründete er eine eigene Medien-Consulting-Firma. Doch nach 20 Jahren in der Medienwelt verkaufte er seine Firma und schrieb den Roman, über den er schon jahrelang nachgedacht hatte: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand...

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Wer ist die Sprecherin?

Katharina Thalbach stand schon als vierjährige auf der Bühne. Sie feierte frühe Erfolge am Berliner Ensemble und der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Katharina Thalbach ist eine Ausnahmeerscheinung: Sie spielte große Rollen in Filmen wie "Die Blechtrommel", "Sonnenallee", Doris Dörries "Paradies" oder Thomas Braschs "Engel aus Eisen". Sie prägte die Bühne in Theaterstücken wie "Käthchen von Heilbronn" (Schauspielern des Jahres 1980), "Hamlet" (Ophelia) oder "Mutter Courage". Sie trat als Regisseurin hervor, u.a. mit "Don Juan", "Wie es euch gefällt", "Der Hauptmann von Köpenick" oder Opern wie "Salome", "Jenufa" und 2008 "Rotter", nach einem Bühnenstück von Thomas Brasch. Ihre einzigartige Stimme, ihr Rollenverständnis, ihr Sinn für Regie machen sie zu einer Hörbuchsprecherin ganz eigener Klasse.

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Wie fand ich es?

Auf die Geschichte aufmerksam wurde ich durch die Sprecherin, Katharina Thalbach, die mir bisher nur als Schauspielerin begegnet ist und in verschiedenen Rollen komplett überzeugen konnte. Da ich Jonas Jonassons Stil bereits ein wenig vor Augen hatte, da ich "Der Hundertjährige..." von ihm schon einmal angelesen hatte, zu dem Katharina Thalbachs Art meiner Meinung nach gut passt, ist mir dieses Hörbuch im Gedächtnis geblieben.

Es ist auch diese Stimme die das Hörbuch meiner Meinung nach besonders gut zur Geltung bringt und die Geschichte unterstreicht. Auch die Geschichte selbst gefiel mir ganz gut, tendiert aber in der Bewertung doch eher in Richtung "okay". Die Sprecherin gestaltet den Text so ansprechend, ohne aber die ruhige Richtung die der Text einschlägt zu beeinflussen. Man kann ihr auch über längere Zeit gut zuhören, ohne dass man irgendwann gelangweilt ist.

Die Charaktere sind unglaublich... einzigartig und sehr speziell. Wer seine Freude an skurrilen Charakteren und ein paar irren Verwicklungen hat, der wird mit diesem Buch bzw. dem Hörbuch durchaus Freude haben können. Sehr positiv aufgefallen ist mir auch, dass zur Einführung jeder neuen, wichtigeren Person sein oder ihr bisheriges Leben kurz geschildert wurde. So konnte man sich auch ohne langwierige Erklärungen während ihrer Szenen und Dialoge in sie hineinversetzen und hatte ein ungefähres Bild von ihnen.

Egal ob es nun um die Analphabetin und Südafrikanerin Nombeko, die beiden völlig unterschiedlichen Holgers, die Zornige, die drei Chinesinnen oder den schwedischen Ministerpräsidenten ging, langweilig wurde es nie. Der Blick ist in dieser Geschichte nicht unbedingt auf die Charaktere gerichtet, die die Handlung vorantreiben aber nicht tiefer beleuchtet werden. Da hätte ich mir so im Nachhinein etwas mehr gewünscht, aber während des Hörens war es einfach nur schön, der Geschichte zu folgen und mitzulachen.
Denn die Geschichte um die Analphabetin die rechnen konnte strotzt nur so von Begebenheiten und Wendungen, so skurril wie die Charaktere selbst, und ist voll trockenem Humor und mit viel Situationskomik erzählt.

Etwa bei der Mitte der Geschichte, nämlich Ende der CD 3 bekam die Spannung einen kleinen Dämpfer und die Geschichte schwächelte ein wenig. Ich habe eine Weile gebraucht, mich wieder darauf einzulassen und weiterzuhören, wurde jedoch von der noch besseren zweiten Hälfte überrascht. Die Auflösung der Handlung ist meiner Ansicht nach sowohl originell als auch nachvollziehbar und im letzten Kapitel gab es auch noch eine Wendung, mit der ich gar nicht gerechnet hatte, und bei der ich schon Angst hatte, es würde ein offenes Ende geben, weil man diesen Konflikt nicht so einfach innerhalb weniger Sätze klären könnte. Aber ich habe mich getäuscht, denn Nombeko war einfach mal viel schlauer und gewiefter als ich ;)

Ich kann euch nur empfehlen, diese Geschichte selbst auszuprobieren, sich die Hörprobe anzuhören oder auch in die Leseprobe hineinzuschnuppern. Manchen wird der ruhige, skurrile (entschuldigt bitte die Häufigkeit dieses Wortes in dieser Rezension, aber kein anderes trifft es so gut) Stil gefallen, andere werden vielleicht eine Menge Action vermissen, und wieder andere werden sich mehr Romantik wünschen. Aber einige werden vielleicht, so wie ich, einfach nur zufrieden mit der Geschichte sein.

Sterne

Vielen Dank an das Bloggerportal Randomhouse und den Hörverlag für dieses Rezensionsexemplar!

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